Warum wir dreizehn gegründet haben

Noch ein Magazin über Kultur? Wieso sollte man das machen?

Hier erklären wir es.

Eine ältere Dame sitzt im Theater. Sie schaut Henrik Ibsens Nora. Das Stück handelt von einer Frau, die raus will aus der Enge ihrer Ehe und die sich trotz aller Widerstände sagt: „Ich muss herauskriegen, wer recht hat, die Gesellschaft oder ich.“ Während die Dame das Stück sieht, beschließt sie ihren Mann zu verlassen. Den Entschluss zu fassen ist allerdings eine Sache, ihn umzusetzen eine andere. Immer und immer wieder geht sie in das Stück. So lange, bis sie die Kraft findet sich von ihrem Mann zu trennen.

In dieser Anekdote, die der Theaterregisseur Thomas Ostermeier mal einem ZEIT-Journalisten anvertraut hat, leuchtet etwas auf, das Kunst sein kann, wenn sie gut gemacht ist. Sie kann schockieren, mitreißen, verstören, zum Lachen bringen, sie kann höchster Genuss sein, tiefe Trauer einfangen, und, ja, sie kann Menschen dazu bringen, ihr Leben zu ändern. Kein Kunstmagazin, kein Kulturheft, kein Feuilleton schafft es bis jetzt diese Kraft einzufangen. Obwohl wir Kunst lieben, begeistern uns Texte über Kunst nur selten. Deshalb haben wir dreizehn gegründet. Wir möchten tief in die Gedankenwelt der Künstler eindringen, Hintergründe und Verbindungen finden und sie lebhaft darstellen. Das ist aufwendig, aber es lohnt sich. Die Texte, mit denen wir anfangen, zeigen das.

Die Reportage über die letzten Jahre des Songwriters Elliott Smith ist das Ergebnis von mehr als einem Jahr Recherche, etlichen Interviews, und einer präzisen Auseinandersetzung mit Smiths Innenleben. Nachdem man den Text gelesen hat, hört man Smiths Musik und besonders sein letztes Album anders, intensiver.

„Mr. Bubbles“, dem Artikel über Jeff Koons, gelingt das Kunststück den Mann ernst zu nehmen und gerade so die Lächerlichkeit von Amerikas teuerstem zeitgenössischen Künstler besser einzufangen, als jeder Verriss es gekonnt hätte. Der Artikel versteht Koons, aber er lässt sich nicht von ihm verführen.

Und dann der wahnsinnig aufwendige Artikel über die Flucht des Thomas Pynchon, der den Leser mitnimmt auf die Suche nach einem großartigen, aber verschlossenen Schriftsteller. Pynchon rennt weg und der Autor rekonstruiert seine Flucht, die an der wohlhabenden Upper West Side von New York ihr Ende findet.

Wenn euch diese Geschichten so gut gefallen wie uns, dann teilt sie mit euren Freunden, druckt sie aus und drückt sie ihnen in die Hand oder lest ihnen eine Passage vor – auch wenn es lange Geschichten sind, die Zeit und Ruhe erfordern. Die alte Dame musste schließlich auch häufiger in Nora gehen, um ihren Entschluss zu festigen.

Eure,
dreizehn

Foto: Arno Declair; Still aus Nora mit Anne Tismer in der Hauptrolle